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Modellprojekt


... „Kooperation Schule (Lehrer/in) und Fachbereich Jugend (Sozialarbeiter/in) zur erzieherischen und schulischen Förderung von Grundschulkindern“

1. Rahmenbedingungen des Projekts
Zeitrahmen: Schuljahr 2000/2001

Personelle Ausstattung: Die personelle Ausstattung besteht aus einer Sozialpädagogin mit einem Stundenumfang von 20 Stunden und einer Sonderschullehrerin mit 19,05 Stunden, die als „Tandem“ arbeiten.

Räume: Die GGS Regenbogenschule (Schulamt) stellt 2 Klassenräume zur Verfügung. Zusätzlich werden Räume des Jugendhauses Lindenhof genutzt.

Finanzen: Der Fachbereich Kinder und Jugend finanziert die Stelle der Sozialpädagogin über Fachleistungsstunden, das Schulamt stellt die Sonderpädagogin zur Verfügung. Zusätzlich stellen die beiden Fachbereiche je DM 2.000 für Anschaffung von Materialien, Telefon (mobil) und die Präsentation von Ergebnissen bereit.

2. Zielgruppe
6 Grundschüler/Innen: die in ihrer sozialen und schulischen Entwicklung durch ihre Lebenssituation beeinträchtigt sind und die altersentsprechenden schulischen Lernangebote nicht nutzen können und /oder in der Schule auffällig geworden sind.

Ausgewählt wurden: Schüler/Innen von 9-11 Jahren des 3. Und 4. Schuljahres. Alle Kinder waren im vergangenen Schuljahr durch unangemessenes Verhalten und durch mangelnde Lernleistung aufgefallen.

Familiäre Situation: Patchworkfamilien
Gewalterfahrungen
Suchtproblematik
Psychische Erkrankungen
Vernachlässigung/Überbehütung
Ablehnung durch einen Elternteil
Materielle Bedürftigkeit

Voraussetzung: Bereitschaft der Eltern mitzuarbeiten
Vorhandensein von Ressourcen bei Kindern und Eltern
Keine akuten Krisen in den Familien

3. Fallbeispiel
Schüler: Junge, 11 Jahre, 4. Schuljahr

Auffälligkeiten: tätlich aggressive Auseinandersetzungen, Kritikunfähigkeit, Schulleistungsdefizite, auffälliges Verhalten in der Klasse

Ziele: Steigerung des Selbstwertgefühls, differenzierte Fremd- und Eigenwahrnehmung, konstruktiver Umgang mit Kritik, Begrenzung eigener Provokationen, angemessene Einforderung eigener Bedürfnisse, Entwicklung von Konfliktlösungsstrategien, Eigenanteil bei Konflikten erkennen und annehmen, Steigerung der Konzentrationsfähigkeit, Verbesserung der Rechtschreibung.

Fazit: Motivations- und Konzentrationssteigerung, Kontrolle des aggressiven Verhaltens, verbesserte Integrationsfähigkeit in einer Gruppe, Kritiktoleranz, verbessertes Selbstwertgefühl

4. Durchführung
Methoden: Zur Erreichung der Ziele des Projekts konnte ein Methodenspektrum qualifiziert angewendet werden. Dies resultiert vor allem aus der Konzeption als „Tandem“ aus Sozialpädagogin und Lehrerin.
· Gruppenarbeit
· Einzelarbeit
·Arbeit in der Klasse
· Arbeit mit dem Helferkreis (Lehrerinnen, Lindenhof, Hort, Schulleitung, Familienhelferin, Heim, ASD, Schulpsychologe)
· Elternarbeit
· Reflexion

5. Ergebnisse
Der Verlauf des Projekts wurde von Kindern, Eltern und Lehrern insgesamt als positiv eingeschätzt. Die von den Mitarbeiterinnen (Tandem) aufgebauten Kommunikationsstrukturen ermöglichen zunehmend eine effektive Kooperation zwischen Fachbereiche Kinder und Jugend, Schule und Eltern.

Darauf können die durchgeführten und in Zukunft durchzuführenden Maßnahmen zur Verbesserung der Beschulbarkeit aufbauen. Die individuelle Lern- und Leistungsbereitschaft der im Projekt betreuten Kinder konnte grundlegend hergestellt oder verbessert werden.

Durch die Erweiterung des familiären Handlungsspektrums in bezug auf das zu fördernde Kind können Eltern Hilfestellungen in akuten Krisen- und Notsituationen erhalten. Die Mitarbeiterinnen haben die Grundlagen für eine fruchtbare Erziehungspartnerschaft mit den Eltern der am Projekt teilnehmenden Kinder geschaffen.

Als besonders effektiv hat sich die Konzeption des „Tandems“ gezeigt:
„Tandem“: Die enge Zusammenarbeit zwischen Sozialpädagogin und Sonderschullehrerin ermöglicht eine ständige Reflexion. Die daraus folgende kontinuierliche Auswertung der Arbeit erhöht die Qualität aller Maßnahmen.

· Perspektivwechsel zwischen sozialpädagogischer Sichtweise (individuelle und familiäre Bedürfnisse), sowie der Sicht der Sonderschullehrerin (Anforderungen der Schule) ergänzen sich.
· Bessere Vermittlung zwischen Schule und Elternhaus
· Effektivere Arbeit durch die Kombination von sozialpädagogischen und schulischen Methoden

Vorteile des Projekts: · Die Eltern haben eine höhere Motivation zur Mitarbeit, da die Einleitung des Sonderschulaufnahmeverfahrens vermieden wird
· Vermeidung von Stigmatisierung
· Zusammenarbeit zwischen den Helferkreisen wirkt transparenter
· Enger Kontakt zu den Mitarbeitern des Projekts
· Aufgrund der Struktur ist eine effektivere Förderung möglich

Rückmeldungen
Lehrerinnen zu
den Schüler/Innen:

· Schüler konnten ihr Sozialverhalten besser steuern
· Persönliche Entwicklung wird in der Schule sichtbar
· Schulleistungen werden konstanter erbracht
· Motivation u. Arbeitsbereitschaft der Schüler ist größer geworden
· Kontakt zu Eltern besser, teilweise entspannter geworden
· Geringere körperliche Gewaltbereitschaft

Erweiterte Sichtweise
der Lehrerinnen:

· Gewannen andere Einblicke in die familiäre Situation und konnten dadurch das Verhalten der Schüler besser einschätzen
· Durch das erweiterte Verständnis für die Kinder waren die Lehrerinnen bereit zusätzliche umfangreiche und langfristige Maßnahmen für/bei den Kindern durchzuführen

Eltern:
· Konzentrationsfähigkeit des Kindes hat sich gesteigert
· Zusammenarbeit mit Schule fällt leichter
· Verhalten des Kindes ist für die Familie tragbarer geworden
· Kind ist ruhiger und deutlich weniger aggressiv
· Kind ist selbstbewußter

6. Aktueller Stand

Aufgrund der Erfolge des Modellprojektes im Schuljahr 2000/2001 und 2001/2002 wird das Projekt nun mit jährlich jeweils neuen Kindergruppen unbefristet fortgeführt.